Geschichtliche Daten aus Berlin

 

Da wir uns durch unser Langzeitprojekt sehr viel mit geschichtlichen Daten befassen, die ab 1862 in Berlin passierten. Werden die Texte aus unseren Videos hier nochmal wiederholt und teilweise detaillierter beschrieben.

 

1862

 

Am 16.01.1862 lässt König Wilhelm der erste Militär Mobilisieren, um im Fall eines Bürgerkriegs ( wegen der Mehrausgaben für eine Heeres – Reorganisation, die der Landtag verweigert ) gegen Berlin marschieren zu können. - In den folgenden Wochen entlässt Wilhelm der erste seine Altliberalen Minister und löst den Landtag auf. Die liberale Neue Ära in Preußen ist damit beendet.

 

Bildquelle:

Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Deutsches_Reich)

 

Text: Die Chronik Berlins

 

Am 08.02.1862 nimmt das Berliner Statistische Büro im Roten Rathaus den Betrieb auf. Das zunächst provisorische Statistische Büro wird im Roten Rathaus eingerichtet, nachdem die erste Anregung schon sechs Jahre zuvor von Bürgermeister Franz Naunyn gegeben worden war. Naunyn hatte den Wert und Nutzen dieser Einrichtung im Magistrat formuliert, nämlich „ dass die genaue Kenntnis der Verhältnisse des Lebens, der tatsächlichen Wirkungen der von der Gesetzgebung und von der Administration ergriffenen Maßnahmen die sicherste Grundlage für jeden Fortschritt abgibt „. Die Leitung übernimmt der Bibliothekar Herrmann Schwabe, unter dem 1867 erstmalig als eigentständiges Organ des Städtischen Büros „ Der Berliner Stadt und Gemeindekalender und Städtisches Jahrbuch 1867 „ veröffentlicht wird. * ( Der Magistrat ist in Deutschland ein Kollegialorgan an der Spitze der Verwaltung einer Stadt mit Magistratsverfassung; in einer Gemeinde ohne Stadtrechte nennt sich dieses Organ Gemeindevorstand. )

 

Bildquelle:

https://www.preussenchronik.de/schauplatz_jsp/key=schauplat

 

z_rotes+rathaus.html

 

Text: Die Chronik Berlins

 

 

18.07.1862 James Hobrecht entwirft einen Bebauungsplan für Berlin und dieser wird genehmigt. Der (Bebauungsplan der Umgebung Berlins) unter Einbeziehung Charlottenburgs ist von König Wilhelm dem ersten und dem Berliner Polizeipräsidenten Otto Friedrich von Bernuth genehmigt worden.

 

Autor dieses Plans ist der 33 jährige Baurat und Kanalisationsfachmann James Hobrecht. Veranlassung für den Auftrag ist das schnelle Anwachsen der Bevölkerung. Durch einen Gesamtplan soll eine geregelte städtebauliche Entwicklung die Berlin als Haupt – und Residenzstadt ausweist, eingeleitet werden. Etwa 7000 ha größtenteils unbebaute Fläche stehen zur Verfügung: Die Berliner Hufen , Moabit und Wedding, und Teile der Feldmarken von Schöneberg, Tempelhof und Rixdorf. Eine große Ringstraße, ein Boulevard dem Vorbild Paris nachempfunden, soll das ganze Stadtgebiet einfassen. Zum Leitbild ( Paris ) gehört auch die Vorstellung von geschlossenen Platz – und Häuserwänden, was die Einrichtung von Mietskasernen mindestens an den Hauptstraßen und auch in geschlossenen Gebieten verlangt. Diese werden durch Schmuck – und Sternplätze aufgelockert. Die Grundstücke werden an vielen Stellen dank einer günstigen Bauordnung derart dicht bebaut, dass riesige Mietskasernen mit extrem engen Hinterhöfen entstehen werden. Der Bebauungsplan wird schon kurz nach seinem Erscheinen heftig kritisiert. So fehlt die Aufstellung eines Programms für staatliche und städtische Einrichtungen; außerdem vermisst man wirtschaftliche und rechtliche Überlegungen zur Durchführung. Seine Veröffentlichung öffnet dazu der Bodenspekulation Tür und Tor.

 

* ( Die Hufe ist ein Flächenmaß )

 

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Boehm_Berlin_1862.jpg

 

Text: Die Chronik Berlins

 

                                         Am 08.10.1862 Wird Otto von Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten und Außenminister ernannt. Otto von Bismarck wird von König Wilhelm dem ersten auf dem Höhepunkt des Heereskonflikts zunächst zum Interimsvorsitzenden ( Vorsitzenden ) des preußischen Staatsministeriums und am 8. Oktober endgültig zum preußischen Ministerpräsidenten und Außenminister berufen. Der 42 jährige Bismarck gilt als der Krone ergeben . Er erklärt sich bereit, für die dreijährige Militärdienstzeit , dem auslösenden Moment für den Heereskonflikt einzutreten, gegen die parlamentarische Majorität zu regieren und die Staatsgeschäfte ohne einen verfassungsmäßig zustande gekommenen Haushalt zu führen.

 

Am 10.12.1862 gibt er den Beamtenerlass heraus, der die Beamten streng an Krone und Regierung bindet und somit sicherstellt, dass die Verwaltung königstreu arbeitet.

 

Durch die Ernennung Bismarcks zum preußischen Ministerpräsidenten und die Unterstützung seines Ministeriums gegen das Abgeordnetenhaus verlor der König seine frühere Popularität.

 

Bildquelle:

https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/otto-von-bismarck-1862.html

 

Text: Die Chronik Berlins

 

 

                                           1862 wurde Karl Theodor Seydel von der Stadtverordnetenversammlung zum fünften Oberbürgermeister Berlins gewählt. Der in Minden geborene Seydel war ursprünglich wenig geeignet, sich der Kommunalpolitik zu widmen. Ließ sich jedoch von seinem Schwager Rudolf Virchow, dem einflussreichen Berliner Stadtverordneten und Arzt, umstimmen. Als Leiter in hohen Staatsstellungen bewährt, erfreut sich der Nicht – Berliner großer Beliebtheit. Mit ihm zieht bürgerlicher Unternehmungsgeist und ein geschärftes Bewusstsein von der sozialen Verpflichtung gegenüber der Großstadtbevölkerung ins Berliner Rathaus ein.

 

Bildquelle:

Von Unbekannt - http://www.luise-berlin.de/Historie/spitze/zukap3/KarlTheodorSeydel.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4952274

 

Text: Die Chronik Berlins

 

 

1862 erscheint der erste Band von Theodor Fontane „ Wanderung durch die Mark Brandenburg „

 

Bildquelle:

Von Theodor Fontane - [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49832704

 

Text: Die Chronik Berlins

 

1863 - 1869

 

Am 1. Juni 1863 erlässt Bismarck eine neue Presseordnung, die das Erscheinen politischer Zeitungen ganz von dem Belieben der Regierung abhängig macht.

 

Als am 15 November 1863 König Friedrich der 7. von Dänemark stirbt und in Dänemark der Erlass einer Staatsverfassung droht, die entgegen alten Rechten das Herzogtum Schleswig einbeziehen soll, nutzt Bismarck die anti dänische Stimmung in der Bevölkerung für einen ersten territorialpolitischen Erfolg. Er hofft mit einem Krieg gegen Dänemark gleichzeitig auf eine Ablenkung von den innenpolitischen Konflikten in Preußen. Dieser Krieg kann jedoch nur unter zwei Voraussetzungen erfolgreich sein, nämlich dass zum einen Geld in der preußischen Kriegskasse ist und dass zum anderen Österreich sich an dem Zug gegen Dänemark beteiligt. Vor allem wegen der Finanzierung stößt Bismarck auf unerbittlichen Widerstand im Kabinett, das auf Recht und Gesetz pocht. Immerhin gelingt es schließlich, die Kosten des dänischen Kriegs ( die sich ca. zu diesem Zeitpunkt bei 17 bis 20 Millionen Taler betrafen ) aus Rücklagen und Überschüssen laufender Einnahmen zu decken.

 

In der Hoffnung auf politischen Erfolg lässt sich Österreich von Bismarck überreden, am Krieg gegen Dänemark teilzunehmen.

 

Bildquelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Bismarck

 

Text: Die Chronik Berlins

 

 

                                           20. September 1863. Der Sprach und Literaturwissenschaftler Jacob Grimm stirbt im Alter von 78 Jahren. Seit 1841 lebte er zusammen mit seinem Bruder Wilhelm in Berlin ( seit 1847 in der Linkstraße, nahe dem Potsdamer Platz ), der bereits am 16. Dezember 1859 unerwartet gestorben war.

 

Die unzertrennlichen Brüder gelten als die Begründer der germanischen Sprachwissenschaft und Altertumskunde. Gemeinsam stellten sie die „ Kinder – und Hausmärchen aus 1812 „ zusammen und arbeiteten an dem „ Deutschen Wörterbuch „ , das ihre überragende Leistung darstellt.

 

Bildquelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Grimm

 

Text: Die Chronik Berlins

 

 

Am 1. Februar 1864 rückt ein preußisch – österreichisches Heer von etwa 45000 Mann unter dem Oberbefehl des preußischen Feldmarschalls Friedrich von Wrangel in schleswig ein.

 

Bildquelle: https://www.deutsche-schutzgebiete.de/deutsch_daenischer_krieg.htm

 

Text: Die Chronik Berlins

 

14. März 1864. Ferdinand Lassalle – Präsident des in Leipzig gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins – muss sich vor dem Staatsgerichtshof in Berlin wegen Hochverrats verantworten. Ihm drohen als Strafe drei Jahre Zuchthaus, 100 Taler Geldbuße und fünf Jahre Polizeiaufsicht.

 

Das Corpus delicti bildet ( eine Ansprache im Namen des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins ), die Lassalle am 14. Oktober 1863 im Handwerkerverein Oranienburger Vorstadt gehalten und später unter dem Titel „ An die Arbeiter Berlins „ veröffentlicht hat. In dieser Rede spricht er der preußischen Staatsverfassung jede Rechtsmäßigkeit ab, da sie das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht durch das Dreiklassen – Wahlrecht ersetzt hat. Nur durch die kühne Behauptung, der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck selbst werde die Verfassung genau in diesem Punkt ändern, kann Lassalle einen Freispruch erkämpfen.

 

Seit etwa einem Jahr stand Bismarck in Kontakt mit dem „ Arbeiteragitator „ Lassalle, was dem Gericht bekannt war. Als nach siebenstündiger Verhandlung das Urteil verkündet wird, kommt es im Publikum zu heftigen Beifallsbekundungen.

 

Für den Angeklagten selbst ist die politische Wirkung entscheidend: „ Angeklagt muss und werde ich immer die Anklagebank als Tribüne für politische Propaganda nutzen. „

 

Bildquelle: http://www.br.de/radio/bayern2/bayern/land-und-leute/helene-prinzessin-racowitza-und-ferdinand-lassalle-andrea-hirner106.html

 

Text: Die Chronik Berlins

 

Am 18. April 1864 werden die Düppeler Schanzen gestürmt. Nachdem auch der Übergang zur Insel Alsen durch die preußische Armee besetzt ist, wird Dänemark zum Frieden gezwungen. In Wien unterzeichnet Dänemark am 30. Oktober 1864 den Friedensschluss, in dem festgelegt wird, dass die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen und Österreich fallen.

 

Die militärischen und außenpolitischen Erfolge führen jedoch nicht, wie erhofft, zu einer Lösung des Verfassungskonflikts und zu einem innenpolitischen Frieden. Nicht der preußischen Regierung oder Otto von Bismarck gilt die Begeisterung des Volkes, sondern den siegreichen heimkehrenden Truppen.

 

Bildquelle: https://www.welt.de/geschichte/article127058772/Als-Preussen-die-Daenen-massakrierten.html

 

Text: Die Chronik Berlins

 

28.01.1865. Der noch heute bestehende Verein für die Geschichte Berlins wird gegründet.

 

Bildquelle:

https://www.berlinstory.de/blog/verein-fuer-die-geschichte-

 

berlins-genau-gegenueber-der-berlin-story-udl-10-vor-150-

 

jahren-gegruendet/

 

Text: Die Chronik Berlins

 

 

18.November 1865. Die erste Rohrpostlinie Berlins zwischen der Zentraltelegrafenstation in der Französischen Straße und der Berliner Börse wird in Betrieb genommen.

 

Sie arbeitet nach einem System, das der Ingenieur und Erfinder Werner Simens in Zusammenarbeit mit Johann Georg Halske erarbeitet hat. In einer Kreisleitung fließt aus einem Behälter mit verdichteter Luft am einen Ende ein ununterbrochener Luftstrom zu einem zweiten Behälter mit verdünnter Luft; die kleinen „ Depechenwagen „ , in denen sich das Postgut befindet, in den schmiedeeisernen unterirdischen Röhren werden mit einer Geschwindigkeit von 10 m/sec. Aufgrund von Saug – oder Druckluft befördert. Für größere Entfernungen und ein verzweigtes Netz ist dieses System noch ungeeignet.

 

Wenig später tritt Werner von Siemens mit einer bahnbrechenden Erfindung an die Öffentlichkeit: Am 17. Januar 1867 legt er der Berliner Akademie der Wissenschaften einen Bericht mit dem Titel ( Über die Umwandlung von Arbeitskraft in elektrischen Strom ohne Anwendung permanenter Magnete ) vor, die erste ausführliche Darstellung des dynamo – elektrischen – Prinzips.

 

Bildquelle:

http://berliner-unterwelten.de/die-berliner-rohrpost.314.0.html

 

Text: Die Chronik Berlins

 

 

                                         7. Mai 1866. Nachmittags, gegen fünf Uhr, wir ein Revolverattentat auf den preußischen Ministerpräsidenten Graf Otto von Bismarck verübt, das er dank einer kugelsicheren Weste überlebt.

 

Bismarck ist nach einem Vortrag im königlichen Palais auf dem Weg in sein Hotel. Als er Unter den Linden entlang geht, gibt der Student der Landwirtschaft Julius Cohen in der Geräuschkulisse eines vorbeimarschierenden Gardebataillons mehrere Schüsse auf den Ministerpräsidenten ab. Der Attentäter wird sofort verhaftet. Er begeht im Gefängnis Selbstmord.

 

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Cohen-Blind

 

Text: Die Chronik Berlins

 

                                        14. Juni 1866 Ohne offizielle Kriegserklärung beginnt der Deutsche Krieg zwischen Österreich und Preußen.

 

Der Krieg zwischen den beiden Großmächten – vom preußischen Ministerpräsidenten Graf Otto von Bismarck seit langem geplant – entzündet sich an der Schleswig – Holstein – Frage. Preußen beabsichtigt die Annexion von Holstein, das österreichischer Verwaltung oblag. Die Truppen setzen sich, wie General Helmuth von Moltke formuliert, „ nicht für Gebietserweiterung, oder materiellen Gewinn, sondern für ein ideales Gut – die Machtstellung „ Preußens in Bewegung.

 

Die Folge der „ weltgeschichtlich entscheidenden Schlacht „ bei Königgrätz am 3. Juli 1866, in der Preußen siegt, ist, dass Preußen Österreich als führende Macht in Europa ablöst. In Nikolaburg kommt es unter Vermittlung Frankreichs am 22. Juli 1866 zum Präliminarfrieden, dem am 28. August der Friede zu Prag folgt: Österreich verzichtet auf seine Rechte an Schleswig – Holstein, stimmt der Auflösung des deutschen Bundes und der Gründung eines Norddeutschen Bundes zu und billigt die Annexionen Preußens. Preußens Staatsgebiet erweitert sich dadurch um 72000 km².

 

Bildquelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Krieg

 

Text: Die Chronik Berlins

 

 

 

 

                                        18. August 1866. Der Norddeutsche Bund, ein Zusammenschluss von 22 Staaten und freien Städten nördlich der Mainlinie – Luxemburg ausgenommen - , wird unter der Führung Preußens gegründet. Dementsprechend wird Berlin seine Hauptstadt. Dieser erste Schritt zur Einigung Deutschlands auf der Grundlage der kleindeutschen Lösung geht auf den preußischen Ministerpräsidenten Otto Graf von Bismarck zurück, der auch die Grundgedanken der Verfassung des Bundes konzipierte. Die Verfassung des Norddeutschen Bundes sieht als oberste Orange den Bundesrat als Zentralbehörde oder Gesamtministerium vor, in dem der vom preußischen König ernannte Bundeskanzler das Präsidium zu führen hat. Preußen verfügt im Bundesrat über 17 der 43 Stimmen und kann damit Verfassungsänderungen allein verhindern. Beim Bundespräsidium liegt die gesamte Außenvertretung. Dem König von Preußen unterstehen die Streitkräfte des Bundes zu Land und auf See. Dies alles sichert die Vormachtstellung Preußens innerhalb des Norddeutschen Bundes ab. Beim Wahlverfahren wird auf der Ebene des Bundes anders verfahren als in Preußen ( Dreiklassenwahlrecht ).

 

Die 297 Abgeordneten des Reichstags werden in allgemeiner, freier und direkter Wahl gewählt und entscheiden zusammen mit dem Bundesrat über die gesamte Gesetzgebung. Die Zuständigkeit für Gerichtsbarkeit, Kultur, Erziehung und öffentliche Bauvorhaben bleibt bei den einzelnen Ländern. Neben diesem letztgenannten, eher föderativen Zug der Verfassung wird doch ihr Grundanliegen ersichtlich. Die nach allen Seiten ausgebaute und abgesicherte eindeutige Hegemonialstellung des Staates Preußens und seiner Krone innerhalb des größeren Bundesverband.

 

Bildquelle:

http://www.deutsche-schutzgebiete.de/berlin.htm

 

 

Text: Die Chronik Berlins

 

                                        22. Februar. Die ( Stenographischen Berichte über die Verhandlungen des Reichstags des Norddeutschen Bundes im Jahr 1867 ) protokollieren die ( Eröffnungssitzung im Weißen Saale des Königlichen Schlosses zu Berlin )

 

„ Seine Majestät der König verlassen hierauf, dass Haupt mit dem Helme bedeckt, die nachfolgende Rede: Erlauchte, edle und geehrte Herren vom Reichstage des Norddeutschen Bundes. Es ist ein erhebender Augenblick, in welchem Ich in Ihre Mitte trete …

 

Ich hege das Vertrauen zu Gott, dass die Nachwelt im Rückblick auf unsere gemeinsame Arbeiten nicht sagen werde, die Erfahrungen der früheren misslungenen Versuche seien ohne Nutzen für das Deutsche Volk geblieben, dass vielmehr unsere Kinder mit Dank auf diesen Reichstag als den Begründer der Deutschen Einheit, Freiheit und Macht zurückblicken werden.

 

Meine Herren! Ganz Deutschland, auch über die Grenzen des Bundes hinaus, harrt der Entscheidungen, die hier getroffen werden sollen. Möge durch unser gemeinsames Werk der Traum von Jahrhunderten, das Sehen und Ringen der jüngsten Geschlechter der Erfüllung entgegengeführt werden.

 

Im Namen aller verbündeten Regierungen, im Namen Deutschlands fordere ich Sie vertrauensvoll auf: helfen Sie uns die große nationale Arbeit rasch und sicher durchführen.

 

Der Seegen Gottes aber, an welchem alles gelegen ist, begleite und fördere das vaterländische Werk!

 

Nach der Beendigung der Rede erklärt der Vorsitzende der Reichstag – Comissarien, Graf von Bismarck, den Reichstag für eröffnet; worauf seine Majestät der König unter abermaligen, von dem Königlich Sächsischen Reichstags – Comissarius, Staats – Minister Frhrn. Von Friesen, ausgebrachten dreimaliegen Hoch der Versammlung in Begleitung Ihrer Königlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Prinzen des Königlichen Hauses … die Versammlung verließen. „

 

Bildquelle: http://www.akg-images.de/C.aspx?VP3=SearchResult&VBID=2UMESQM8BCNB5

 

Text: Die Chronik Berlins

 

                                        31. August 1867 Bei den Wahlen zum Norddeutschen Reichstag werden in allen sechs Berliner Wahlbezirken mit großer Mehrheit die Kandidaten der vereinigten Fortschrittspartei gewählt: Eduard Lasker, Moritz Wiggers, Franz Duncker, Heinrich Runge und Hermann Schulze – Delitzsch.

 

Nicht ein Mandat geht an die Kandidaten der konservativen nationalliberalen Partei, obwohl berühmte Männer wie der Reichskanzler Otto von Bismarck, der Kriegsminister Graf Albrecht von Roon und die Generäle Helmuth von Moltke, Karl Eberhard Herwarth von Bittenfeld und Ernst Friedrich Vogel von Falkenstein aufgestellt sind.

 

Zum ersten Mal seit 1848 wird nach dem unter der Regierung des wohl promenentesten Verlierers dieser Wahl, Bismarck, eingeführten allgemeinen, direkten und gleichen Wahlrecht gewählt. In den größeren Berliner Sälen haben von Tausenden besuchte Versammlungen stattgefunden. Die Kandidaten halten Reden; belebte Debatten folgen. Vorabstimmungen werden vorgenommen, die überfüllten Versammlungen nach parlamentarischen Regeln geleitet. Das politische Interesse der Bevölkerung ist erneut erwacht.

 

Bildquelle: https://www.google.de/search?q=Otto+von+Bismarck+1863&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwiA0aHWoOfTAhUDJJoKHRHYA_4QsAQIPQ&biw=1920&bih=947#tbm=isch&q=Eduard+Lasker&imgrc=P4oJBKCOv_4o_M:

 

Text: Die Chronik Berlins

 

                                       1868. Die Zollmauer und alle Stadttore werden abgebrochen; nur das Brandenburger Tor bleibt wegen seiner künstlerischen und geschichtlichen Bedeutung erhalten. Die Erweiterung des Stadtgebietes durch die große Eingemeindung von 1861 hatte zur Folge, dass die Erhebungsstellen der Schlacht – und Mahlsteuer verlegt werden mussten.

 

Die nur noch steuerlichen Zwecken dienende Ringmauer wird damit überflüssig. Zudem behinderte sie den wachsenden Verkehr und erschwerte die Bebauung, insbesondere die Anlegung neuer Straßen.

 

Gegen ihren Abbruch protestierte das Kriegsministerium, in dessen Überlegungen die Mauer für den möglichen Fall einer erneut ausbrechenden Revolution die Einschließung und Absperrung des Stadtgebietes erleichtern würde. Die auf beiden Seiten, innerhalb und außerhalb der Mauer liegenden Straßen bilden seitdem eine den größten Teil der Stadt umziehende Gürtelstraße.

 

Bildquelle:

http://www.deutsche-schutzgebiete.de/berlin.htm

 

Text: Die Chronik Berlins